Aus dem Rundblick Nettersheim: Pia Fridhill & Friends go Jazz

„S(w)inging Brubeck“ begeistert Publikum

Diesmal zu Gast bei Pia Fridhill waren Sabine Kühlich (Saxofon) und Laia   Genc (Piano). (Foto: Wolfgang Raith) (ar) Die inzwischen zu einer erfrischend lebendigen Institution im Nettersheimer Kulturleben avancierte Sängerin mit schwedischem „Migrationshintergrund“ ist immer für eine Überraschung gut. Diesmal lockte sie offenbar die Jazzfans der gesamten Eifel ins Naturzentrum, denn freie Stühle gab es diesmal nicht mehr. Das hatte sicher auch mit dem vielversprechenden Projektnamen der beiden Gäste Sabine Kühlich (Saxofon) und Laia Genc (Piano) zu tun. Sie verstehen ihre Musik als Huldigung an Dave Brubeck, einer Ikone des amerikanischen Jazz, der selbst einem nicht ganz so dem Jazz zugetanenen Publikum  mit dem Stück „Take Five“ bekannt wurde.

Ausgerechnet diesen Hit gab es allerdings erst im zweiten Teil des Sets, der diesmal von vorherein als Jam-Session mit  Fridhill&Friends geplant war. Im Nachhinein eine kluge Idee, denn so blieb den beiden vielfach ausgezeichneten Musikerinnen mehr Spielraum für ihre Interpretationen anderer Klassiker mit nicht ganz so hohem Wiedererkennungswert. Besonders „Three to get ready“ und „Unsquare Dance“, zwei der vielen Jazz-Standards, deren eigenwillige Taktfolgen jeden mittelmäßigen Musiker in Verzweiflung stürzen, erklangen bei Kühlich&Genc frisch und unverbraucht und nie steril. Da schmeichelte sich die angehauchten Ansätze des Saxofons ebenso in die Gehörgänge der Zuhörer wie die warme Altstimme von Sabine Kühlich, nur um dann gleich danach von einem furiosen Pianosolo ihrer kongenialen Partnerin konterkariert zu werden. Auch in ihren Eigenkompositionen zeigen sie ihre instrumentale und stimmliche Meisterschaft und schaffen es zudem spielerisch leicht, das enthusiastische Publikum miteinzubeziehen. Mehrfach gab es Szenenapplaus für besonders gelungene Soli oder für witzige Vokaleinlagen.

Mutig und mitreißend auch der zweite Teil des Sets, in dem Pia Fridhill diesmal mit der Tradition brach, ihre neuen Stücke zu präsentieren. Dies, erklärte sie, sei nicht nur der Tatsache geschuldet, dass im März die neue CD erscheint, sondern vielmehr der Versuchung, die beiden wunderbaren Stimmen ihrer Gäste in ihre eigenen Stücke einzubinden. Und in der Tat, in dieser atemberaubend kraftvollen Version hat man Fridhills Hymne „These are the people I come from“ auch in Nettersheim noch nie gehört. Die beiden Gäste, die sich in der Pause extra umgezogen hatten, brachten aber mehr ein als nur die zweiten Stimmen im Chor. Cellistin Johanna Stein brillierte mit Instrument und Gesang mit dem Klassiker „Spinning Wheel“. Danach durfte sich das Publikum bei Eurythmics“ „Sweet dreams“ und Abbas „Dancing Queen" austoben.